Die Filmklasse

 

 

1          Was ist eine Filmklasse

2          Warum eine Filmklasse?

2.1       Selbstkompetenz

2.2       Soziale und kommunikative Kompetenz

2.3       Ästhetische Bildung

2.4       Medienkompetenz

3          Welche Wertigkeit hat die Filmklasse auch für andere Fächer?

4          Wie sieht der Unterricht aus?

5          Wie erfolgt die Leistungsbewertung?

6          Verfügbare Plätze und entstehende Kosten

7          Wer unterrichtet die Filmklasse?

 

 

1 Was ist eine Filmklasse?

In einer Filmklasse haben die Schülerinnen und Schüler einer Klasse neben dem Pflichtunterricht zwei Stunden in der Woche Unterricht im Fach „Film“.  Im Zentrum steht stets der praktische und projektorientierte Umgang mit dem Medium Film, aber es soll dabei auch Wert gelegt werden, Grundlagen im Bereich der Theorie (Gestaltungelemente des Films, Kameratechnik, Licht, Ton, etc.) so praxisnah wie möglich zu legen. Den dritten wesentlichen Bestandteil des Unterrichts bildet die Anbahnung des Spiels vor der Kamera durch entsprechende Übungen. Die Eltern würden die Möglichkeit erhalten, sich bei der Anmeldung zur 5. Klasse für Film als verpflichtendes Zusatzfach zu entscheiden.  

 

2 Warum eine Filmklasse?

Gerade in der Unterstufe, am Beginn der Pubertät werden durch die bewusste und kreative Auseinandersetzung mit dem Film viele wesentliche Kompetenzen erlernt, welche die Persönlichkeitsbildung und den Umgang mit dem Medium entscheidend beeinflussen können. Positiv unterstützt wird der Lernprozess von der immensen Lernbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit von Kindern dieser Altersstufe.

„Film ist das narrative Leitmedium für Kinder und Jugendliche.“ (www.laenderkonferenz-medienbildung.de). In der Filmklasse wird die zentrale Rolle des Films im Leben der Jugendlichen bedacht und die Grundlagen für eine verantwortungsvolle und kreative Teilnahme an der heutigen Mediengesellschaft vorbereitet.

 

2.1       Selbstkompetenz

  • Hemmungen reduzieren und das Selbstwertgefühl stärken
  • Sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten erweitern und differenzieren
  • Konzentrationsfähigkeit trainieren
  • Kreativität entwickeln
  • Entwicklung eines umfassenden Körperbewusstseins

 

2.2       Soziale und kommunikative Kompetenzen

  • Teamgeist, Toleranz und Wertschätzung in der gemeinsamen Arbeit einüben
  • Verantwortungsbewusstsein erfahren
  • Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz stärken
  • Lernen, Kritik angemessen aufzunehmen, konstruktiv mit ihr umzugehen  und situationsgerecht zu äußern

 

2.3       Ästhetische Bildung

  • Ganzheitliche Bildungsprozesse durch ästhetische Gestaltungsprobleme anstoßen
  • Geistige und körperliche Beweglichkeit durch Selbst- und Fremdwahrnehmung schulen
  • Differenzerfahrungen reflektieren
  • Sensibilität für Künste und ästhetisches Urteilsvermögen entwickeln

 

2.4       Medienkompetenz

  • Audiovisuelle Inhalte im Alltag bewusster konsumieren, durch das Entwickeln eines distanzierten und reflektierten Verhältnisses zum Medium.
  • Verantwortungsvoll mit Bild- und Toninhalten im gesellschaftlichen Leben umgehen
  • Überblick über die rechtlichen Grenzen und Gefahren im Umgang mit audiovisuellen Inhalt gewinnen
  • Grundlagen in Filmanalyse anwenden können
  • Filme drehen und nachbearbeiten können

 

3 Welche Wertigkeit hat die Filmklasse auch für andere Fächer?

Durch das gemeinschaftliche Miteinander in der Filmbildung werden das Klassenklima und die Klassengemeinschaft entscheidend gestärkt. So wird in der Regel die Lern- und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler in anderen Unterrichtsfächern gesteigert.

Das Spiel vor der Kamera mit den umfangreichen vorbereitenden Schauspielübungen schulen die Körperwahrnehmung nachhaltig. Indem Schüler immer wieder auch spielerisch „Hemmschwellen“ überwinden müssen, wird die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbewusstsein in besonderer Weise gefördert. Hinzu kommt die unbändige Spielfreude, die Schüler in der fünften und sechsten Klasse haben. In der Filmklasse bekommen sie die Möglichkeit, diese zielgerichtet im Rahmen diverser Projekte auszuleben. Die hieraus resultierende positive Energie macht das Kind stark für den „normalen“ Schulalltag und darüber hinaus.

Filmideen zu entwickeln und sie in eine schlüssige audiovisuelle Form zu bringen ist eine höchst komplexe Aufgabe, die auch in großem Maße die Phantasie fordert. Die Anbahnung solch kreativer Prozesse, aber auch die Einforderung der notwendigen Disziplin, das Angedachte zu einem ansehnlichen Produkt zu Ende zu führen, schult Schlüsselkompetenzen, die grundlegend sind für die Arbeit in der Schule. 

Die filmtechnischen Fähigkeiten und Kenntnisse, welche die Schülerinnen und Schüler in der Filmklasse erwerben, können wichtige Qualifikationen im weiteren schulischen Leben und im außerschulischen Umfeld darstellen. Der Filmunterricht bietet Anschlussmöglichkeiten für weiterführende Projekte in vielen Fächern (z. B. Projektpräsentation in der 9. Klasse). In jedem Fach finden sich Möglichkeiten, das Medium Film in den Unterricht zu integrieren. Der betreuende Filmlehrer steht mit dem Lehrerteam der Filmklasse im Austausch, um einen möglichst vielfältigen Einsatz filmischer Arbeit zu ermöglichen.

Für die Schüler, die in der Filmklasse so richtig auf den Geschmack gekommen sind, besteht die Möglichkeit im Rahmen der Filmgruppe (Wahlfach) ihre Kenntnisse und Fertigkeiten weiter zu vertiefen und umfangreicher in das Medium Film einzusteigen.

 

4 Wie sieht der Unterricht aus?

Anstelle der lehrerzentrierten Unterrichtsformen treten in der filmischen Bildung der Filmklasse die schülerorientierten und sozial-integrativen Unterrichtsformen wie Freiarbeit, Partnerarbeit und Gruppenarbeit in den Vordergrund. Somit lernen die Schüler mehr eigenverantwortliches Handeln. Ausprobieren, Experimentieren und Analysieren sind zentrale Unterrichtsprinzipien des Faches.

Der Unterricht ist stets projektorientiert und mündet in eine Präsentation der unterschiedlichen Arbeitsergebnisse, wobei das konstruktive Feedback einen ganz wesentlichen Bestandteil der Filmarbeit ausmacht. Die Vorstellung der Ergebnisse muss nicht zwangsläufig im Klassenverband erfolgen, sie kann auch im Rahmen der Schulgemeinschaft und darüber hinaus erfolgen.

 

5 Wie erfolgt die Leistungsbewertung?

Die Kinder in der Filmklasse sollen nicht mit zusätzlichen Schulaufgaben oder Stegreifaufgaben belastet werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Zeugnis eine zusätzliche Bemerkung über die Teilnahme an der Filmklasse erhalten, die die praktischen Leistungen und mündlichen Beiträge im Unterricht würdigt. Diese Art der Beurteilung schließt kleine Tests nicht aus, soll aber den Fokus auf den zentralen Aspekt, die Projektarbeit lenken.

  

6 Verfügbare Plätze und entstehende Kosten

Die Schüler, die ab kommenden September neu an unsere Schule kommen, können wählen, ob sie in die Filmklasse möchten. Die Teilnehmerzahl ist, auch wegen technischer Beschränkungen, limitiert. Wegen des hohen Aufwands an Equipment, wird auch eine Jahresgebühr in Höhe von 30 Euro anfallen. Mit dem Geld sollen unter anderem Neuanschaffungen getätigt werden, um einer möglichst großen Zahl von Schülern den Besuch der Klasse zu ermöglichen.

  

7 Wer unterrichtet die Filmklasse?

Mein Name ist Sebastian Wanninger, ich bin Lehrer für die Fächer Englisch, Kunst, Werken und IT an der Oberland-Realschule Holzkirchen. Ich habe im Bereich Theater die Zusatzqualifikation während der Referendarsausbildung erworben und im Bereich Film die Filmleherausbildung  (Drehort Schule e. V.) erfolgreich absolviert. Seit 10 Jahren mache ich mit Schülern Filme und habe in über dreißig Filmprojekten umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Hier geht es zu einer Auswahl unserer Filme:

www.youtube.com/user/DieFilmgruppe

Mittlerweile bin ich auch als Referent tätig: Zum einen habe ich mehrere Fortbildungen für die Kunsterzieher im Schulbezirk Oberbayern Ost zum Thema „Sprache des Films“ gehalten. Daneben bin ich seit zwei Jahren bei der einwöchigen Referendarsausbildung für Film tätig.

Die Filmklasse ist eine sehr spannende Sache, weil das Medium uns eine unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten bietet (z. B. Kurzspielfilm, Trickfilme, Werbespot, Tutorial, Experimentalfilme, etc.). Daneben birgt es ein riesiges motivationales Potential, schließlich ist der Film ganz nah an der Lebenswirklichkeit der Schüler. Man sollte auch nicht vergessen, dass das Medium Film als das wesentliche Leitmedium des 21. Jahrhunderts noch nicht die Berücksichtigung im Schulalltag findet, die es eigentlich verdient.