Drei Tage Film pur - FILMTAGE BAYERISCHER SCHULEN 

 
 
 
Los Angeles? Cannes? Holzkirchen! Der Markt reiht sich im Oktober in die Riege der Filmfest-Metropolen ein. Fünf Jahre lang veranstaltet die Oberlandrealschule die Filmtage Bayerischer Schulen. Festivalleiter Sebastian Wanninger verrät, was die Nachwuchs-Filmemacher erwartet.

Holzkirchen – Filmfestivals haben ihren angestammten Veranstaltungsort. Die Oscars das Kodak-Theater in Hollywood, die Internationalen Filmfestspiele finden an der Côte d´Azure statt, die Lola, der Deutsche Fernsehpreis, wird in Berlin vergeben. Bei den Filmtagen Bayerischer Schulen, an denen die Nachwuchs-Filmemacher aus dem Freistaat ausgezeichnet werden, war das nicht anders. Seit der Gründung im Jahr 1977 fanden sie in Unterfranken statt, erst in Marktheidenfeld (29 Jahre), dann in Gerbrunn (elf Jahre). Heuer allerdings feiert das älteste Schülerfilmfestivals Deutschlands seine Premiere an der Oberlandrealschule in Holzkirchen.

„Mich wundert es ja immer noch, dass sich die Unterfranken das haben klauen lassen“, scherzt Sebastian Wanninger, Filmlehrer und Festivalleiter in Personalunion, der sich über diesen Coup unheimlich freut. Fünf Jahre lang richtet die Realschule die prestigeträchtigen Filmtage nun aus, heuer zum ersten Mal. Vom 11. bis 13. Oktober dreht sich alles ums Drehen, Schneiden und Filmen. Bis zu 40 Schul-Filmgruppen aus dem Freistaat nehmen teil, von der Grund- bis zur Berufsoberschule.

Wer genau, steht noch nicht fest. Bis August haben die Gruppen Zeit, ihre Filme einzureichen. Voriges Jahr verzeichneten die Veranstalter 140 Einsendungen, Dokumentarfilme, Horror-Streifen, Komödien. „Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Wanninger. Eine Jury wählt die 40 Besten aus. In fünf Blöcken flimmern die Filme während des Festivals über die Leinwand in der Kinobox, die eigens in der Turnhalle aufgebaut wird. Im Mehrzeckraum der Schule findet anschließend eine „intensive Nachbesprechung“ statt. „Jede Gruppe muss im Plenum Rede und Antwort stehen“, sagt Wanninger. Dabei gehe es nicht darum, den anderen nur den Bauch zu pinseln. Ganz im Gegenteil. „Konstruktive Kritik ist immer erwünscht.“

Genau darin liege der Mehrwert, den das Festival den Schülern biete. Viel wichtiger als die Prämierung der besten Filme – 17 Preise werden verliehen – ist aus Wanningers Sicht nämlich der Austausch über das Gezeigte. „Die Schüler sollen über Filme reden, miteinander Ideen entwickeln“, sagt der 42-Jährige. In der Aula wird hierfür ein „Wohlfühlzentrum“ eingerichtet, ein Bereich mit Lounge und Café, der die Schüler anziehen soll.

Bis dort über die Filme diskutiert wird, hat Wanninger noch einiges zu erledigen. Die Organisation der Filmtage ist ein „Job neben dem Job“, sagt der Festivalleiter, der sonst, die Filmklasse, Englisch und Kunst unterrichtet. Sponsorensuche, Öffentlichkeitsarbeit, Verpflegung – alle Fäden laufen bei Wanninger zusammen. „Momentan fließt jede freie Minute in die Filmtage“, sagt Wanninger. Umso dankbarer ist er über die Rückendeckung des Kollegiums und des Direktorats. „Wir sind begeistert, dass wir die Filmtage an der Schule haben“, sagt Birgid Heumann, stellvertretende Schulleiterin. Die Ausrichtung des Festivals sei „die Krönung“ der Arbeit, die in den Filmklassen in der 5. und 6. Jahrgangsstufe sowie in der freiwilligen Filmgruppe geleistet werde.

Unterstützung finanzieller Art erhalten die Filmtage unter anderem vom Kulturministerium, Marktgemeinde und vom Landkreis, der die Veranstaltung mit 6000 Euro fördert. Hinzu kommen lokale Firmen, die zum Beispiel Werbebanner spendieren, die Frischeküche, die das Catering übernimmt, oder der Pharma-Konzern Hexal, der eine Förderung in Aussicht gestellt habe, sagt Wanninger. Doch die Ausrichtung der Filmtage ist teuer. Allein für die Miete der Kinobox sei ein fünfstelliger Betrag fällig. Wanninger sagt zwar: „Der Krater ist kleiner geworden“, fügt aber mit einem Augenzwinkern hinzu: Über weitere Sponsoren freue man sich dennoch.

Aller Anfang ist schwer, heißt es. Trotz 41-jähriger Tradition trifft das auch auf die Schulfilmtage zu. „Bis alles klappt, bis alles anläuft, das dauert“, sagt Wanninger über die Premiere. Sein erklärtes Ziel: „Ich will das Festival weiterentwickeln.“ Keine leichte Aufgabe. Die Messlatte haben die Vorgänger aus Unterfranken hoch gesetzt. „Die haben das super gemacht“, sagt er. Bei allem Stress in der Vorbereitung hat er sich allerdings eines vorgenommen: „Ich will die drei Tage genießen.“ Am liebsten in einem der Kinosessel in der Turnhalle.

Ausschnitte aus dem Programm

 Mehr erfahren: https://filmtage.pschwind.de/2018/festival
 

Foto: Organisiert die Filmtage: Festivalleiter und Filmlehrer Sebastian Wanninger. foto: andreas leder